3. Advent Vorbereitungen auf das Kommen Jesu

Dienstag, 13. Dezember 2011 von Edwin Boschmann

Letzten Sonntag hatten wir einen ernsten Text aus dem Buch Jesaja. Da wurde das Warten auf Gott ersehnt, da man ihn nicht spürte. Alles war eher negativ geprägt. Ja, die Adventszeit war ursprünglich eine Fastenzeit, in der nicht gefeiert oder geheiratet werden durfte. Und es ist gut und wichtig sich der tatsächlichen Sehnsucht nach Gott und nach einer erneuerten Welt bewusst zu werden, wenn nicht alles im Leben so läuft, wie man es sich wünscht.

Aber da gab es immer auch die andere Seite. Die, die sich an der Menschwerdung Christi freut und daran, das wir uns auf sein Wiederkommen freuen dürfen. Fast alle heutigen Weihnachtslieder drücken diese Freude aus. Von dieser Freude und Vorfreude waren auch schon die Propheten teilweise geprägt, als sie die Ankunft des Messias vorhersagten. Somit will ich heute 4 Texte zitieren und diese Texte kurz kommentieren.

 

Jesaja 9:1+5-6: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.“

Jesus ist Licht für die Welt. Die Adventszeit ist bei uns die dunkle Jahreszeit. Im Advent haben wir somit viel mit Kerzen zu tun. Es soll ein Licht brennen. Für uns, für unsere Gesellschaft. In unseren Herzen. Auch damals war nicht alles in Ordnung, oder besser gesagt, in Israel war alles durcheinander. Es war Chaos. Man brauchte Licht für die Zukunft. Wir brauchen auch Licht für unsere Zukunft. Viele Verunsicherungen, Ängste und Zweifel nagen an unsere Gesellschaft. An uns selber.

Und dann haben wir die ganzen Gottesnamen im Text. Namen, die man nie einem Menschen geben könnte. Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Ja, solch einen Menschen, solch einen Gott können wir brauchen. Und mit Jesus ist dieser Gottmensch zu uns gekommen. Hat gezeigt, wie Gottes Reich aufgebaut ist. Welch ein Gott! Und wir schauen staunend zu. Im Text steht: „Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.“ Gott war aktiv und ist aktiv. Er hat in Jesus Christus Licht in die Welt gebracht. Und doch brauchen wir mehr Licht. Auf diesen nächsten Schritt warten wir.

 

Im Text aus Micha 5:1 steht: „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“

Hier wird der Geburtsort von Jesus vorhergesagt. Als die Weisen aus dem Morgenland den Herodes sitzen gelassen hatten, mussten die Schriftgelehrten herausfinden, wo der Messias geboren werden sollte. Und das war der Text, der ihnen das sagte. Ein kleines Nest, ein Dorf, ganz und gar ländlich. Jesus hat da wirklich nicht viel Zeit verbracht, aber er wurde dort geboren. Und es wird von ihm gesagt, dass er von Anfang an war. Jesus wurde nicht geboren um zu sein. Nein, er war von Anfang an da. Er kam, weil er einen Auftrag auf dieser Erde hatte. Aber er war, ist und wird sein. Unsere Zeitvorstellung ist für Jesus nicht vorhanden. Er ist Gott in Ewigkeit.

Und Jesus Christus wird Herr sein. Die Vorstellungen, was das zu bedeuten hatte, sind in den Jahrtausenden sehr unterschiedlich gewesen. Mal ist man von einem Despoten ausgegangen, der nur das Recht von Israel sieht und alles andere vernichten will. Mal ist man von einem strengen Herrscher ausgegangen, der knallhart durchgreift und alles zurechtbiegt, was bis dato nicht gut läuft. Heute nehmen wir uns zunehmend ein Beispiel an den Jesus, den wir vom Neuen Testament kennen. Einer, der dienend den Menschen zur Seite steht. Einer, der sich nicht aufdrängt, aber doch da ist. Einer, der uns die Füße wäscht, obwohl es gerade umgekehrt sein sollte. – Ja, unser Bild von dem, wie Jesu Herrschaft auf dieser Erde auszusehen hat beeinflusst direkt, wie wir unsere Herrschaft auf dieser Erde sehen und ausführen. Es beeinflusst, wie wir unsere Kinder erziehen. Es beeinflusst, wie wir miteinander umgehen. Unter den Kaisern und bis gar nicht vor langer Zeit betonte man die Herrschaft stark. Damit meinte man dann preußische Tugenden. So wurde das Volk geführt, so wurden die Gemeinden geführt. So hat man die Bibel gelesen. Heute ist man sensibler geworden.

 

Sacharja 9:9: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“

In diesem Text wird die Vorfreude ausgedrückt, die wir zu Weihnachten stark ausgebaut haben. Ja, unser König ist gekommen. Komplett anders als erwartet. Er war ein Gerechter und ein Helfer. Viel mehr als erwartet wurde. Er half da, wo andere unter keinen Umständen geholfen hätten. Er war gerecht, wo die religiösen Systeme ungerecht geworden waren. Er drückte den Finger auf die Wunden der Gesellschaft – er stellte sich auf die Seite der Schwachen, Unterdrückten und Armen. Dabei klammerte er nicht die Reichen aus. Ein Gerechter und ein Helfer. Und er ritt nach Jerusalem hinein, auf einem Eselsfohlen. Demütig, gar nicht so der, der mit Macht regiert von seinem Thron.

 

Lukas 1:31-33: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“

Und dann haben wir die vielen Vorhersagen, die noch im Neuen Testament kommen. Natürlich auch andere im Alten Testament, auf die ich hier nicht eingehe. Aber eine Vorhersage die mich stark berührt ist die an Maria. Der Engel des Herrn erscheint der Maria und sagt voraus, dass sie schwanger werden wird. Und das auf wunderlicher Weise durch den Heiligen Geist. „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker.“ Ja, die Risiken und Nebenwirkungen waren ungeahnt groß, aber diese junge Frau ging voll und ganz auf die Worte des Engels ein.

Der Engel hatte in diesem Augenblick nur gutes zu berichten. Der Name des Kindes wurde gegeben. Ein bedeutender Mensch, der die Dynastie von David fortführen würde. Ein König würde er sein, und zwar über Israel und Juda. Und sein Reich sollte ewig währen. Die Risiken und Nebenwirkungen kamen später.

Und doch, genau in dieser Fortführung des Reiches Gottes leben wir heute. Jesus Christus hat was eingeläutet, was ewig währt. Und das beschriebene Königreich ist ein Reich, das wir bislang mit Augen nicht sehen können. Erahnen können wir es, wenn wir sehen wie Christus Gestalt in uns Menschen annimmt. Dann wird aus Hass und Streit, Vergebung, Versöhnung. Dann wird aus einer zerbrochenen Welt eine heile Welt.

 

Ja, noch feiern wir Advent. Noch ist nicht alles erfüllt, was vorhergesagt wurde. Die Herrlichkeit und Macht ist noch nicht so stark sichtbar. Die Ewigkeit hat begonnen, aber sie geht weiter. So jauchzen wir, weil wir schon viel in Christus haben. Wir jauchzen, weil uns in Christus ein Licht aufgegangen ist. Und wir warten, dass diese Vorfreude, die wir jetzt empfinden, ganz und gar erfüllt wird. Sicherlich anders als wir es erwarten. Aber mit Sicherheit vollkommener, schöner, voller. Darauf dürfen wir uns freuen. Unser Herr kommt!

Zurück

Einen Kommentar schreiben