Die Natur der Gemeinde: Sie ist Eine 1 Korinther 1:10
Mittwoch, 1. Februar 2012 von Edwin Boschmann
Letzten Sonntag hatten wir passender weise Weltgemeinschaftssonntag. Wir haben uns an die weltweite Verbundenheit unter den Mennonitengemeinden und den Brüder in Christo Gemeinden erinnert. Und natürlich im erweiterten Sinne auch an die Verbundenheit mit allen täuferischen Gemeinden. Das ist eine ganz besondere Erfahrung, insbesondere für Christen aus benachteiligten Gebieten. Die Botschaft ist klar: Sie sind nicht alleine gelassen. Wir sind miteinander verbunden. Wir helfen einander.
Frieden und Verbundenheit miteinander ist aber biblisch nicht nur in der Gemeinschaft unserer täuferischen Tradition gefragt und gefordert. Es ist ein biblisches Gebot, was anscheinend mehr schlecht als recht gelingt, zumindest oft. So kommen wir zu unserem biblischen Text aus 1 Korinther 1:10. Da steht: „Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in "einem" Sinn und in "einer" Meinung.“
Paulus spricht gerade in 1 Korinther 1 stark gegen Kirchenspaltungen. Es kann nicht sein, dass jeder in eine andere Richtung zieht. Das hält die Kirche nicht aus, und das zeigt ein völlig falsches Bild von dem, was Gemeinde eigentlich sein sollte. Die Kirchengeschichte zeigt uns ein sehr unrühmliches Bild von Einheit innerhalb der Kirchen.
Während dem größten Teil der Kirchengeschichte wurde diese Geschichte durch die Trennung zu anderen Christen definiert. Jede Gruppe versuchte sein eigenes Existenzrecht zu begründen. In der frühen Kirche haben z.B. die Donatisten von Nordafrika sich der Reinheit der Gemeinde verschrieben. Sie bezeugten die einzig wahre Kirche zu sein, und nicht etwa die Römisch katholische Kirche. Die Arnoldisten legten Wert auf Armut und Identifikation mit den Massen. Die Waldenser hoben den wortwörtlichen Gehorsam zu den Lehren Jesu hervor. Die Römisch katholische Kirche betonte, dass nur sie die wahre Kirche ist, da sie die Sukzession des Papstes hat. Reformer wie Luther und Calvin folgten John Wycliffe, indem sie die sichtbare und die unsichtbare Kirche trennten. So kann jemand der sichtbaren Kirche angehören, und doch nicht zur unsichtbaren Kirche gehören, oder umgekehrt.
I. Mit einer Stimme reden
Doch in unserem Text steht, wir sollen mit einer Stimme reden, und nicht etwa mit einer gespaltenen Zunge. Und nicht etwa geteilt in Denominationen. Was bedeutet das für uns heute?
Im Neuen Testament gibt es viele Bilder, die die neutestamentliche Gemeinde beleuchten. Paul Minear zählt 96 solcher Bilder auf, z.B. Salz der Erde, Brief Christi, Äste des Weinstocks, usw. Trotz der Vielzahl dieser biblischen Bilder gibt es ein paar Gedanken, die diese Vielzahl der Bilder zusammenhalten. Eine davon ist die Einheit dieser Gemeinde. Und das lässt uns gleich wundern. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ca. 1.900 Denominationen. 1984 waren es schon 22.000. Die Zahl steigt stetig. Tritt diese Statistik dem Einheitsgedanken nicht entgegen? Wir müssen eindeutig sagen: Nein! Das darf es nicht. Trotz der Verschiedenheit haben wir einen Herrn. Ja, wir sind Mennoniten, weil wir Dinge für wichtig in der Bibel erachten, die andere so nicht sehen. Trotzdem wollen wir uns immer wieder gegen wehren zu behaupten, wir hätten die letztendliche Weisheit. Oder nur wir wären richtig. Wir brauchen das Miteinander mit den anderen Geschwistern um vollständig zu sein. Alleine sind wir es nicht. Auch wenn wir die Flecken und Runzeln der anderen natürlich schnell sehen. Das ist Sache unseres Herrn, nicht unsere Sache. So lange diese Menschen Christus proklamieren und folgen, sind wir zur Einheit gerufen.
II. Keine Spaltungen erlauben
Wie kann diese Einheit aussehen? Die Realität sieht doch ganz anders aus. Leider ist Trennung und Spaltung in sehr vielen Fällen die Realität. Wenn es mir nicht passt, gehe ich in die nächste Gemeinde. Wenn ich Leiter bin und das Volk nicht mit dem einverstanden ist, was ich sage, dann gründe ich meine eigene, neue Gemeinde. Das ist was man vielerorts beobachten kann. Das ist nicht gesund.
Nichts gegen Gemeindegründungen. Sie sind gut, wichtig und notwendig. Aber viel zu oft entstehen sie aus vorherigen Zerwürfnissen, und nehmen somit nicht gerade Segen mit in ihre Arbeit, sondern eher Altlasten. Das geht auch anders. Geplant und zielstrebig werden neue Gemeinden gebaut, die das Miteinander mit den anderen vor Ort suchen. Das ist wünschenswert. Das zeigt schon, wie so ein Miteinander funktionieren kann. Als eine einheitliche Organisation, wie es die katholische Kirche propagiert, das ist wohl Wunschdenken und geht an unserer Realität des Pluralismus vorbei. Nein, in der Vielfalt der unterschiedlichen Gemeinden nehmen wir uns wahr, unterstützen uns, wenn möglich, bekennen wir uns gemeinsam zu Christus. Dem einen wird es hier gefallen, dem anderen dort. Zusammen bringen wir das Wort Gottes unter das Volk.
III. Aneinander festhalten
Einheit erfordert nicht Einförmigkeit. Von Anfang an hat sich die Kirche in einer Vielzahl von lokalen Gemeinden gezeigt. Diese Gemeinden hatten weder die gleiche Theologie, noch die gleiche Art der Anbetung, noch die gleichen Lieder oder sonst was. Die Gemeinde in Jerusalem war gespickt voll von Judenchristen, die treu das Alte Testament befolgten. In Korinth ging es rauf und runter. Das hatte mit denen in Jerusalem aber auch gar nichts gemeinsam, außer dass ihr Herr, Jesus Christus, der gleiche war. So waren die Gemeinden bereits zur Zeit der Apostel extrem unterschiedlich.
So ist unsere heutige Herausforderung zur Einheit die gleiche wie im Neuen Testament. Wir sind nicht gerufen, die anderen Christen zu verdammen oder sie zu verleumden. Wir sind gerufen aneinander festzuhalten, mit einem Sinn und mit einer Meinung. Wie gesagt, es braucht nicht die gleiche Organisation, aber die gleiche Zielrichtung. Auch wenn die Schwerpunkte in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich sein mögen. So haben wir das ICF und das CZK, das sich überregional zur Stärkung der Christen versteht. Wir haben die Agape-Gemeinde in Durlach, die eine gute Arbeit mit der Tafel hat. Wir haben die Methodisten, die eine neue Jugendkirche aufbauen. Und so gibt es viele unterschiedliche Gemeinden, alle mit ihren Schwerpunkten.
In einem müssen wir mehr Klarheit bekommen. Unsere Kirche, und auch nicht sonst eine andere Kirche, ist nicht der Weinstock. Und die anderen Kirchen sind nicht unsere Äste. Vielmehr ist Christus der Weinstock, und wir alle als Gemeinden sind Äste an diesem Weinstock. Wie die Äste nun verbunden sind, das entscheiden nicht die Äste selber. Vielmehr ist das vom Weinstock selber vorgegeben.
So will ich uns ermutigen, miteinander und mit anderen Christen Frieden und Eintracht zu halten. Immer wieder erlebe ich Zerwürfnisse und üble Nachrede. Das ist nicht, was Gott von uns will. Auch wenn es Differenzen gibt, vielleicht auch gravierende Differenzen gibt, sind wir zur Einheit gehalten. Das wünsche ich mir über alles. Wie gesagt, nicht eine organisatorische Einheit, sondern vielmehr eine Einheit, die nach außen zeigt dass Jesus Christus unser Herr ist. Und wir seine Glieder. Das will ich mehr und mehr unter uns gelebt sehen.

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