Botschafter an Christi Statt: Unser Dienst der Versöhnung 2 Korinther 5:17-21

Dienstag, 27. September 2011 von Edwin Boschmann

Als wir 1998 nach Mosambik ausreisten, da gab es keine Versöhnung, keinen Frieden. Offiziell war der Krieg 1992 beendet worden. Das lag vor allem am Ende des kalten Krieges. Weder die westlichen Mächte noch die Ostblockstaaten waren bereit, weiter Waffen und Geld für diesen Krieg zu liefern. Somit war der Krieg zu Ende. Aber war damit Frieden, Versöhnung? Immer wieder haben wir erlebt, wie Hass und Gewalt nahe an der Oberfläche waren, besonders zu Zeiten der politischen Wahlen. Schnell kamen dann Anschuldigungen hoch. Unbequeme Menschen wurden dann politisch in Haft genommen und im Gefängnis „vergessen“, bis sie verhungert waren oder totgeschlagen waren. So auch eine Gruppe von ca. 120 politisch Inhaftierten im Norden von Mosambik.

Die Vorbereitungen zu diesem Text und zu diesem Sonntag kommen von einer Kongolesin, die in ihrem Land nichts anderes als Krieg und Gewalt kennt. Was für mächtige Worte sind für so eine Person die Verse von 2 Korinther 5:17-21! Wir lesen:

„Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 18 Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“

 

I. Was ist neues Leben in Christus?

  1. Francisca schreibt: „Neues Leben in Christus, ein Leben in Frieden und Glück, des Gehorsams gegenüber der Herrschaft Jesu Christi und seinem Wort, preist Gott im Himmel und schafft Frieden auf der Erde unter den Menschen guten Willens, zur Ehre Gottes.“

Für Francisca ist klar, was Christus im Leben eines Menschen tut. Auch wenn diese Personen durch extremes menschliches Leid geprägt wurden. Durch Christus verändert sich was im Leben. Es kommt Frieden ins Herz. Ich muss meinem Nachbarn, der meine Kinder umgebracht hat, nicht eine reinwürgen. Ich muss mich nicht rächen für übles, was an mir getan wurde. Damit kommt auch Glück ins Herz. Ich bin frei von negativen Zwängen, die wieder negatives hervorrufen. Das macht froh. Und durch Gottes Hilfe schaffe ich es auch mehr und mehr Gott gehorsam zu leben. Ich schaffe es, mehr und mehr sein Wort in meinem Leben aktiv umzusetzen. Das hat folgen. Gott ist davon begeistert und meine Mitmenschen merken meine Veränderungen. In meinem Einflussbereich geht es menschlicher zu – oder wollen wir lieber sagen: Dort geht es jetzt göttlicher zu! Dadurch entstehen Beziehungen, die belastbarer sind, Beziehungen, die positiv sind. Und das ehrt Gott.

In diesem Text schreibt Paulus sicherlich von sich, obwohl er das Plural wählt. Er hatte die Liebe und Gnade Christi erlebt. Sogar als er Verfolger der Gemeinde Christi war. Er hat gute, positive Menschen ins Gefängnis gebracht und ihrer Exekution beigestimmt. Ja, sogar einer wie Paulus hat eine Chance bei Christus. Ja, sogar er. Das ist neues Leben in Christus.

 

II. Was ist vor der Versöhnung mit Gott?

  1. Francisca schreibt: „Gott schuf eine harmonische Welt, damit wir glücklich leben können (Genesis 1,31), doch durch die Abwendung von Gott und Gottes Plan, haben wir Ruhe und Lebensfreude auf der Erde in Harmonie mit der Umwelt verloren.“

Der Aufruf im Text ist eindeutig: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Anfänglich hat Gott alles sehr gut gemacht. Als der Mensch erschaffen wurde, Mann und Frau, sagte Gott: „Es ist sehr gut“. Aber es blieb nicht dabei. Schnell, sehr schnell, kam Unfriede. Kam Neid. Kam Unzufriedenheit. Kam Mord.

Die Auswirkungen dieser Unzufriedenheit sehen wir täglich. Wir als Menschen wollen unsere Herren sein. Wir wollen uns niemandem unterstellen, und schon gar nicht Gott. Wir wollen, was gut für uns ist. Somit wird die Umwelt ausgebeutet (es muss uns ja dienen). Somit gehen wir Risiken ein, deren Tragweiten wir nicht überschauen können (z.B. Ölbohrungen in der Tiefsee oder Atomkraftwerke, oder, oder). Somit beuten wir durch unser Kaufverhalten und durch unser Leben andere Menschen aus. Zusammengefasst könnte man das Wort Maßlosigkeit benutzen. Was wir meinen, was uns dienen soll, führt schlussendlich dazu, dass wir uns langsam aber sicher als Gesellschaft umbringen. Im Bezug zur Umwelt, im Bezug zum Miteinander. Wir haben unsere Unschuld verloren. Die Globalisierung insbesondere der Finanzwelt zeigt diese Schwäche zur Zeit sehr deutlich auf.

 

III. Wer agiert wie?

  1. Francisca schreibt: „Gott holt uns durch seine Liebe immer wieder ins Leben zurück. Durch Christus bietet Gott uns die Möglichkeit, ein Leben in Glück, erfüllt von Frieden und Gerechtigkeit neu zu entdecken.„

Gott hat sich mit uns versöhnt. Gott selber ergreift die Initiative. Er ist nicht wie wir. Er wartet nicht zuerst, dass andere auf ihn zugehen. Nein, Gott macht den ersten Schritt. Er schickt seinen Sohn Jesus Christus auf diese Erde um Versöhnung zu bewirken. In Christus erleben wir, dass Gott nicht böse auf uns ist. Wir erleben vielmehr die Hingabe Gottes. Wie er sich hingibt, damit wir als Menschen wieder erfahren, was Leben ist. Und zwar Leben die Fülle.

Gott geht in Christus den Weg der Versöhnung. Als Christusnachfolger haben wir somit die Aufgabe, Versöhnung zu leben und zu proklamieren. Gott hat in Christus zuerst gehandelt. Nun ist die Reihe an uns, diesen Frieden, diese Aussöhnung Gottes mit uns, anderen Menschen in unserer Umgebung zuteil werden zu lassen. Wir rufen nun unseren Nachbarn, unseren Mitbürgern zu: Friede mit euch! Auch wenn ihr böse zu mir seid, ich will Frieden. Diesen Frieden habe ich von Gott. Wie wär´s, wenn du diese ausgestreckte Hand Gottes auch annimmst und Frieden in deinem Herzen einlässt?

 

Francisca Ibanda kennt diesen Text und kennt das Leid ihrer Landsleute. Sie weiß dass nur Christus diesen Frieden bringen kann, den Menschen nicht von sich aus schaffen können. Wir sind als der reiche Westen nicht unbeteiligt am Krieg im Kongo. Wir wollen billige Rohstoffe, die der Kongo hat. Frieden würde die Preise nur nach oben treiben. Das würde unsere Preise verteuern.

Wir als extremes Exportland wollen die Europäische Union. Das dient uns. Auch wenn andere Länder unseren Ansprüchen nicht gerecht werden können. Dann müssen sie halt von uns in finanzieller Sicht kontrolliert werden, damit die Sicherheit gewahrt bleibt und unser Wohlstand nicht bedroht wird.

Maßlosigkeit. Wie sieht dein Leben aus? Ist es versöhnt mit Gott? Hat Christus seine Spuren in deinem Leben hinterlassen dürfen? Darf er es immer noch? Dann wird aus dieser Maßlosigkeit, aus diesem Unfrieden, Ruhe im Herzen und Versöhnung mit Gott, mit unseren Mitmenschen und mit unserer Umwelt. Ja, wir leiden dann, weil alles noch nicht so ist, wie es sein sollte. Aber die Umwandlung hat begonnen. In uns. Und durch uns werden andere Menschen berührt. Gott verändert diese Welt. Er hat bei uns begonnen!

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