Als Christ in den sozialen Medien! Lukas 22:61-62

Dienstag, 8. November 2011 von Edwin Boschmann

Martin Heidegger: “Wir wollen mit der Technologie einen Ansatz haben, der uns unter keinen Umständen zu einer verdummten Zwanghaftigkeit beeinträchtigt die blind nach vorne presst, oder, was aufs gleiche hinausläuft, hilflos dagegen zu rebellieren und es als das Werk des Teufels zu fluchen.“

Ja, das mit der Technologie ist eine interessante Sache. Meine Frage heute Morgen ist, ob wir als Christen dazu eine eigene Position brauchen? Oder eigene Denkansätze haben sollten? Eine bloße Verteufelung ist nicht hilfreich, aber blinder Glaube an neue Medien halt auch nicht. Das hat Martin Heidegger schon gewusst. Und auch viele vor ihm. Da dieses Feld unheimlich groß ist, will ich heute Morgen nur die sozialen Netzwerke benennen. Anhand dessen will ich überlegen, wie man als Christ in Cyberspace vernünftig überlebt. Ich halte das für ein sehr wichtiges Thema. Somit bitte ich unsere älteren Geschwister heute mal um etwas Nachsicht, da diese Predigt euch nicht ganz so stark betrifft. Aber halt doch auch, da wir in einer Welt leben, die von diesen neuen Entwicklungen gezeichnet ist.

 

  1. Was zeichnet Freundschaft, Gemeinschaft aus?

Doch bevor wir zu den sozialen Medien kommen, finde ich es wichtig darüber nachzudenken, was eigentlich eine Freundschaft ausmacht. Was macht echte Gemeinschaft aus? Verschiedene Kulturen haben ein unterschiedliches Verständnis von Freundschaft und Gemeinschaft. Aber gemeinsam verbrachte Zeit, gemeinsame Erlebnisse, das gehört doch irgendwie dazu. Für Aristoteles und seine Zeitgefährten war Freundschaft ein sehr wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Gemeinschaft. Freundschaften sollten sogar wichtiger eingestuft werden als Gerechtigkeit, da sie das Zusammenleben in einer Gemeinschaft erst ermöglichen, so Aristoteles.

Bei Jesus und Petrus sehen wir etwas von dem, was bei Freundschaft geschieht. In Lukas 22:61-63 steht: „Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.“ Es war eine Situation, da wurde nichts gesprochen – und trotzdem unheimlich viel kommuniziert. Enttäuschungen, Vergebung, Zerbruch, Neuanfang. Ja, so etwas ist über Computer kaum machbar. Bei Freundschaften wird Zeit investiert. Es wird gemeinsam gegessen. Es werden gemeinsam Dinge unternommen. Es wird gelacht und geweint.

In der Bibel finden wir verschiedene besondere Freundschaften. Aaron war nicht nur der ältere Bruder von Mose, sondern er war sein Freund und hat seine Mängel kompensiert. Früher hat man im deutschen gar nicht zwischen Freund und Verwandten unterschieden. Es war eigentlich das gleiche Wort. Es wird eine sehr enge Beziehung vorausgesetzt. Jonathan und David waren ganz besondere Freunde. Obwohl Jonathan Thronfolger von Saul hätte sein sollen, war für ihn klar, dass es nur David werden kann. Jonathan unterstützt David, obwohl es ihm zum Nachteil gereicht. Welch ein tolles Beispiel von einer vorbildlichen Männerfreundschaft!

Jesus hatte auch viele und wichtige Freundschaften. Sicherlich zu aller erst die Jünger. Dann waren Maria und Martha, sowie Lazarus dabei. Und noch viele andere. Und ich weigere mich zu glauben, dass für Jesus diese Freundschaften einfach nur Mittel zum Zweck waren. Dann hätte er nie einen Judas Ischariot im Kreis der Jünger gehabt. Für Jesus zählten Menschen. Sie waren ihm wichtig. So wie sie waren. Mit ihren stärken und schwächen. Jesus war ein Freund der Menschen. Überall wo er hinging, war er von Menschen umzingelt. Er verbrachte sehr viel Zeit mit diesen Menschen.

 

  1. Wie passen soziale Medien hinein?

Wie passen soziale Medien in solch ein Denken hinein? Was hat es auf sich mit Facebook, Twitter, Xing, LinkedIn, StudiVZ, myspace, Blogs, usw.? Ich habe z.Z. 156 Freunde auf facebook und bin damit sicherlich an der absolut unteren Skala anzusiedeln. Wer sind all diese Freunde, die ich da anhäufe? Welches ist deren Bedeutung für mich? Stehe ich in der Gefahr, diese „Beziehungen“ für meine Bedürfnisse zu missbrauchen, da ich ja eigentlich nur darauf zurückgreife, wenn ich etwas von diesen Leuten will? Und Zeit verbringe ich mit den allermeisten von ihnen sowieso nicht – außer am Computer.

Umberto Eco, Medienwissenschaftler und vieles andere, sagte mal, dass der Antichrist manchmal in ganz normaler Kleidung daherkommt. Ich persönlich befürchte, dass er eine beeindruckend lange Liste von Freunden hat. Ja, facebook und all die anderen sozialen Medien machen Spaß. Manchmal sind sie hilfreich. Aber diese Medien machen teilweise abhängig. Als Antichrist entpuppen sie sich da, wo sie mir die Zeit rauben tatsächlich mit anderen Menschen zusammen zu sein. Als Antichrist entpuppen sie sich da, wo sie mich dazu verleiten, Dinge zu tun, die ich nicht tun sollte und wollte. Insofern bleibt bei mir, wenn ich diese Medien benutze, ein gewisser Zweifel im Hintergrund.

 

  1. Mögliche Verhaltensregeln

Deshalb haben sich einige Leute darüber Gedanken gemacht, wie man sinnvoll mit solchen Medien umgeht. Es sind Leute, die sich viel besser damit auskennen als ich. Ein paar dieser Gedanken finde ich sehr gut und hilfreich.

Zuallererst müssen wir erkennen, dass Gottes Gnade allgegenwärtig ist – auch im Netz. Wenn nun jemand Hilfe benötigt, und diese Hilfe im Netz gesucht wird, ist das gut. Besser wäre es, wenn es tatsächlich einen echten Menschen gäbe, der dieser Person helfen kann. Wir müssen aufpassen, dass das Netz nicht die Gnade Gottes in unserem Leben ersetzt.

Wenn es keine existente Gemeinschaft gibt, dann sind die sozialen Medien in sich selbst unbefriedigend. Es genügt nicht, nur virtuelle Freunde zu haben, die aber keine echte Beziehung zu meinem Leben haben. Auch hinterlässt Bildschirmzeit in den Leuten eine gewisse Leere. Es ist einfach was anderes, wenn man mit echten Menschen zusammen Zeit verbringt. Auch geht viel Zeit durch diese Medien verloren. Und: Zeit, die früher zwischen Arbeit und Freizeit geteilt war – ist heute nicht so. Heute ist durch die neuen Medien Arbeit und Freizeit gar nicht mehr so leicht trennbar. Auf der Arbeit und in der Freizeit bin ich miteinander verbunden/erreichbar.

Ich denke, wir müssen in diesem Bereich erneut christliche, Leben fördernde Verhaltensregeln erlernen. Freundschaft und Gemeinschaft fördernde Regeln einüben. Wie kann das gehen? Ein paar Gedanken:

- Wenn wir mit einer Person sprechen, schaue ich nicht auf meinem iPod, gehe nicht ans Handy, etc. Das ist schwierig, aber ich glaube das kann gelernt werden.

- Für Leute die damit stark geprägt sind, ist ein Sabbattag frei von Technologie vielleicht hilfreich.

Und dann bin ich über die zehn Gebote eines Bloggerevangelisten gestolpert. Abgewandelt, können diese Regeln gut auf alle anderen modernen Medien übertragen werden. Ich halte sie für echt hilfreich und deshalb erwähne ich sie hier:  

-         Du sollst deine Medien nicht vor deiner Integrität stellen.

-         Du sollst dir keinen Götzen aus deinen Medien machen.

-         Du sollst die Anonymität die dir dein Username gibt nicht für Sünden missbrauchen.

-         Gedenke des Sabbats, indem du dir einen medienfreien Tag nimmst.

-         Ehre deine Medienfreunde höher als dich selbst, und befasse dich nicht unnötigerweise mit ihren Fehlern.

-         Du sollst die Ehre, den Ruf und die Gefühle anderer nicht töten.

-         Du sollst das Netz nicht dafür gebrauchen, um damit Ehebruch in deinen Gedanken zu erlauben oder zu begehen.

-         Du sollst die Gedanken anderer Personen nicht stehlen.

-         Du sollst im Netz nicht falsch Zeugnis geben wieder deinen Mitmenschen.

-         Du sollst nicht begehren die Beliebtheit deines Nächsten im Netz. Sei mit deinem eigenen Inhalt zufrieden.

Als Abschluss ein weiser Rat: Benutze die sozialen Medien bevor du von ihnen benutzt wirst. Insofern sind soziale Medien sowie andere Technologien, wenn sie als dienende Schöpfung zu ihrer Bestimmung finden, ein wunderbares Zeugnis der Erkenntnis, dass das Reich Gottes herbeigekommen ist. Wenn nicht, können sie genau so wie alles andere Leben zerstörend benutzt werden!

Möge unser Herr uns immer wieder Weisheit und Kraft geben, sinnvoll und gut mit dem umzugehen, was wir bekommen haben. Auch mit unseren Freundschaften, Beziehungen und Medien.

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